an einem Mittwoch im Oktober

Ich stand heute Morgen nicht sonderlich gut gelaunt auf. Wie öfters in letzter Zeit.

Ich entschloss endlich mal wieder zu Meditieren. Mich einfach mal hinzusetzten und die Stille in mir aufzusuchen. Ich hatte kein Ziel und keine Vorstellung. Ich wollte nur zur Ruhe.

Nachdem gefühlt alles aus mir raus geflossen war und ich zu diesem Gefühl der Ruhe kam, wurde es immer schwerer. Ein Last in meinem linken Schulterblatt. Sie wurde immer schwerer und ich konnte kaum noch Atmen. Ich schrieb in mein Journal: Es ist so schwer. Ich möchte, dass es weggeht. Es soll sich auflösen. Ich will es endlich loslassen können.

Ich beschloss den Fokus von der Last weg zu lenken und mir eine Energieblase für den Tag zu schaffen. Gesagt, getan. Und nach einigen Minuten fühlte ich mich wieder wohl und voller Enegie für den neuen Tag. (Ja, mir ist klar, das wegschauen und "ignorieren" nicht die Lösung ist auf lange Zeit, für die Kurze aber passt es mir gerade sehr gut.)

Die Sonne schien mir mitten ins Gesicht, als ich die Augen wieder öffnete. Und ich verspührte den Drang mich zu bewegen. Ich wollte raus in die Natur.

Also beschloss ich, meine Laufsachen anzuziehen und raus zu gehn. Ich war mir nicht sicher ob ich nur spazieren will oder wirklich laufen. Ich liess es einfach geschehen. Kaum fiel die Tür hinter mir ins Schloss, lief ich los. Ich merkte schon, mein Tempo war schneller als sonst, aber ich entschied mich einfach solange zu laufen wie es geht und nach Lust und Laune zum spazieren zu wechseln.

Doch kaum kam ich zwischen den Häusern zum Feldweg, der quer über eine weite Wiese führt auf der Kühe grasen und Mais wächst, spührte ich einen unglaublichen Energieschub. Es war, als ob Scheuklappen plötzlich aufgehen. Oder du aus einem Tunnel kommst. Meine Augen gingen auf. Meine Aufmerksamkeit wurde geweckt. Ich nahm meine Umgebung wahr, wie ich sie noch nie wahrgenommen hatte. Die Kühe, die so friedlich grasten. Ich spürte ihre Ruhe. Das Feld auf dem Mais gewachsen war, war gerade frisch geerntet worden. Ich spürte die Energie der Erde, die so viel Mais hervorgebracht hatte.

Die Katze die durchs halbhohe Gras schlich. Ich spürte ihre Spannung. Ich sog alles auf wie ein Schwamm. Ich rannte und zog die Energie aus der Ruhe, der Kraft und der Schönheit meiner Umgebung. Ich schaute dem Adler zu, wie er durch die Luft gleitete. Und achtete mich plötzlich auf den Luftstrom, der an mir vorbeizog. Ich spührte die volle Energie der Erde. ich überquerte eine Bach und nahm die Kraft des Wassers in mir auf. Ich zog aus allem meine eigene Energie. Die Menschen die an mir vorbeispazierten müssen glauben ich sei bescheuert. Mit so einem riesen Lachen im Gesicht durch die Felder zu rennen. Aber hei, ich war so dankbar!

Dankbar für meine Füsse die mich tragen. Dankbar für meinen Körper der mich liebt.

Dankbar für mein Herz, dass einfach schlägt.

Dankbar für meine Lungen.

Dankbar für die Kraft der Natur.

Da darf man schonmal kurz lachend durch die Welt rennen.

Nach vier Kilometern, die ich schneller gerannt war als je zuvor, holte mich dann doch die Kondition ein. Ich hatte schon ganz vergessen, dass ich keine Marathonläuferin war. Aber da war sie.

Ich haderte kurz mit mir selber. Zwing dich jetzt durchzuziehen Mareen. Du hast nur noch 1.5 km vor dir. Jetzt reiss dich zusammen. Denk an deine Figur, an all die Kalorien die du verbrennst. Denk an dein Spiegelbild. Denk an das Essen was du dir gönnen kannst. Und blablabla..

Und dann erinnerte ich mich daran, warum ich laufen gegeangen war. Ich wollte nur an die frische Luft. An die Sonne. Ich wollte mich bewegen. Nicht Sport treiben um abzunehmen. Also wechselte ich auf spazieren. Ohne schlechtes Gewissen, einfach mit einem noch intensiveren Bewusstsein für den Waldweg, auf dem ich mich befand und das Rauschen des Baches mit seiner Kraft. Und die Ziegen und Schafe an denen ich vorbei ging.

Keine 5 Minuten später, flog ein knallgelber Schmetterling um meine Beine. Er war, wie Schmetterlinge sind, total quirrlig, wechselte ständig die Richtung aber blieb unterhalb meiner Knie und flatterte um meine Füsse. Es war fast so, als wollte er mir sagen: Los, du hast genug Energie gesammelt, renn weiter. Ich musste erneut laut lachen und rannte wieder los. Er begleitete mich noch 10 Schritte und als ich das Gefühl hatte wieder voll in meiner Energie zum Laufen zu sein, war er verschwunden.

Ich lief den letzten Kilomenter nach Hause und legte mich so glücklich wie noch nie nach meiner Laufrunde, auf den Balkon.

Und hier liege ich nun. Blick zum Himmel. In dieses wundervolle Blau und die Kraft der Sonnenstrahlen.

Man mag sagen, die spinnt.

Aber das ist oke. Ich bin selber grad nicht sicher was das alles war. Was da passiert ist. Wie meine Aufmerksamkeit so intensiv sein konnte.

Ich war im Endeffekt gute 7 Minuten schneller als sonst, trotz kurzem Spazieren dazwischen. Und ich fühle mich eher aufgeladen, als ausgelaugt.

Ich bin gerade einfach glücklich.

Und dankbar.

Glücklich. Und dankbar.

Glücklich. Und dankbar.

Glücklich. Und Dankbar.

Und ich wollte das festhalten.

Für mich.

Trotzdem, falls du jetzt kurz eingetaucht bist in meinen Morgen, dann freut mich dass. Fühl dich bitte nicht verpflichtet jetzt raus zu gehen und Schmetterlinge zu suchen. Oder Kühen beim Weiden zuzuschauen. Fühl dich einfach nur von deinem Körper geliebt. Denn er ist so wertvoll. Und dein Geist ist so mächtig.

Auch ich erinnere mich eigentlich viel zu selten an das Wunder meines Körpers. Ich stell mich vor den Spiegel und seh aus reiner Gewohnheit einfach mal eher die Dinge, die mir nicht gefallen. Die Dinge die ich lieber ändern würde. Und eigentlich sollten wir uns jeden einzelnen Morgen splitternackt vor den Spiegel stellen und unserem Körper danken. Dieser Mechanismus Körper ist das faszinierendste Ding überhaupt. Dein Herz schlägt so ca 100'000 Mal pro fucking Tag! Überleg dir das mal. Einfach so. Du musst nichts dafür tun. Du bittest es nicht darum, es schlägt einfach so. Für dich. Für dein Leben.

Und wir stellen uns dann vor den Spiegel und sagen; ich hasse diesen Bauch. Na Bravo. Wär ich mein Herz, hätte ich vermutlich schon hundert Mal gesagt: Du undankbares Biest.

Aber das tut es nicht. Es schlägt einfach weiter. Dein Körper nimmt jede Beleidigung von dir einfach hin. Und arbeitet weiter für dich. Jeden Tag 24 Stunden. Wir sollten uns das echt öfter vor Augen führen. Und dann auch nicht Sport machen um abzunehmen. Sonder um unsern Herzmuskel zu trainieren. Um ihn zu unterstützen. Um unserem Körper und dem ganzen System Power zu geben. Um den Blutkreislauf zu fördern. Genau so die Sache mit der gesunden Ernährung. Scheiss auf Diät. Was erlaubst du dir, deinem Körper über längere Zeit einfach mal zu wenig Energie zu geben. Sei dir lieber jeden Tag aufs Neue bewusst, WAS du deinem Körper gibts. Denn alles was du isst, geht in deinen Körper. Und entweder du gibst ihm geile Energie damit, oder es kostet ihn zusätzliche Energie. Und wenn er die nicht will oder braucht dann; ja, hallo Bauch. Wundert's dich? Er kann dir ja nicht sagen; Sorry nein danke, ich brauch die Pommes echt nicht. Ich, egoistische Tussi, esse die Pommes ja eh. Ob's meinem Körper jetzt gerade passt, ist mir ja dann egal. Zum Glück hat er einen Weg gefunden, sich vor zu viel Pommes zu schützen.

Darum, Bauch. Eigentlich fantastisch. Gut gemacht Körper. Danke!

So, genug Moralpredigt, für einen eigentlich nur kurz geschriebenen Text als Erinnerung für mich selbst.

Aber gut. Du weisst jetzt was ich mein mit, fühl dich nicht gezwungen Sport zu treiben. Aber denk an die tägliche Leistung deines Körpers.

Schätze die!


Oke, das wars, jetzt gibts Essen.

Romeo hat gekocht. Sogar richtig gesund und voller guter Energie für meinen Körper.

Mein Leben ist gerade irgendwie perfekt. Oder?

Nur für diesen kurzen Moment.

Und den saug ich jetzt auf.

Voll und ganz.


Tschüss✋🏼



Danke, dass du mir den Raum gegeben hast, das zu teilen.

Es ist schön, dass es dich gibt!



Viel Liebe

Mareen

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